Mittwoch, 11. September 2019, Oeffentlicher Anzeiger Bad Kreuznach – Wilhelm Leyendecker

Mit großem Hallo wurde der Extremläufer Axel Nentwig bei einem Überraschungsempfang von Verwandten, Freunden und der Booser Ortsverwaltung begrüßt (von links): Ortsbürgermeister Sascha Wickert, der Beigeordnete Eckhard Hoseus, Axel und Gerlinde Nentwig und Stiftungs-Vorstandsmitglied Jürgen Steuerwald. Foto: Wilhelm Leyendecker

Empfang für Extremläufer

Boos. Da war Axel Nentwig doch ganz schön überrascht, als er am Samstagnachmittag unter einem Vorwand zum Booser Backes gelockt wurde. Verwandte und Freunde hatten dem Extremläufer nach seinem erfolgreichen Deutschlandlauf dort einen spontanen Empfang bereitet. Auch Ortsbürgermeister Sascha Wickert zollte dem Läufer großen Respekt. Dieser habe mit seinem Lauf beste Werbung für seinen Heimatort Boos gemacht.

Nentwig war am 18. August gemeinsam mit 40 weiteren Läufern an der Nordspitze der Insel Sylt zu einem Lauf quer durch Deutschland mit dem Ziel Zugspitze gestartet. Doch es lief nicht ganz nach Plan. Nach sieben Tagen und 450 Kilometern und erheblichen körperlichen Beschwerden kamen Nentwig ernstliche Bedenken, ob das Ganze überhaupt zu schaffen sei. Auf den Rat eines alten Hasen hin setzte er drei Tage aus und begleitete die Läufer per Wohnmobil mit seiner Frau Gerlinde, ehe er dann wieder voll einstieg.

In Heimatnähe, der Lauf berührte Bingen, feuerten ihn Verwandte und Freunde an, darunter die Radbegeisterten Berthold Schick, Eckhard Hoseus mit Tochter Katharina aus Boos. Sie begleiteten Nentwig bei Worms ein Stück per Rad. Doch später dann ein weiterer Schock: Gerlinde hatte erhebliche Schwierigkeiten mit dem Wohnmobil. Und auch wegen großer Beschwerden mit dem Sprunggelenk setzte Axel erneut aus, um später die letzten beiden Etappen bis zum Ziel mitzulaufen. Von den ursprünglich 1340 Streckenkilometern hatte er schließlich immerhin 1050 Kilometer zu Fuß laufend hinter sich gebracht.

Nur aus der Gipfelbesteigung der Zugspitze wurde es nichts. Das Wetter spielte nicht mit. Ein früher Wintereinbruch zwang die Veranstalter, die letzte Etappe bis zur Reintalangerhütte auf knapp 1490 Metern zu verkürzen. Und die legte Axel Nentwig gemeinsam mit seiner sportlichen Ehefrau zurück.

Am Booser Backes wirkte Axel Nentwig frisch und munter, die Strapazen lagen hinter ihm. Gefragt nach der Motivation zu diesem Lauf, antwortete er, dass dies zunächst die beim Lauf eingesammelten Spenden für die Gernot Bohn-ALS-Stiftung und den Kinderschutzbund Bad Kreuznach seien. Aber auch seine körperlichen und mentalen Grenzen wollte er kennenlernen. Seine persönlichen Empfindungen und Gefühle während des Laufs fasste er mit einem Goethe-Zitat zusammen: „Man reist ja nicht, um anzukommen, sondern vor allem, um unterwegs zu sein.“